“Blendend” vor unscharfem Hintergrund

Auf Bildern von professioneller Hand stechen Pferde häufig ganz besonders vor einem recht unscharfen Hintergrund vor. Das Geheimnis dieses Effekts liegt in der Verwendung einer möglichst kleinen Blendenzahl. An anderer Stelle werde ich noch genauer erklären, woran das genau liegt – an dieser Stelle sei erst einmal gemerkt:

  • Je größer die Blendenzahl, desto größer ist die Schärfentiefe.
  • Je kleiner die Blendenzahl ist, desto kleiner ist die Schärfentiefe.

Bei einer kleinen – oder anders gesagt: geringen – Schärfentiefe ist nur ein sehr kleiner Bildbereich scharf, der Rest ist mehr oder weniger verschwommen. Die Arbeit mit einer kleinen Blendenzahl aus Gründen kleiner Schärfentiefe empfiehlt sich vor allem bei Einzelaufnahmen wie z.B. bei Portraits. Weniger schöne oder ablenkende Hintergründe können damit “eleminiert” werden.

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen der Effekt unerwünscht ist. Möchte man zum Beispiel mehrere Pferde bei der Siegerehrung schräg von vorn aufnehmen, so empfiehlt sich eine größere Blendenzahl, um möglichst alle Reiter scharf abzulichten. Auch bei Aufnahmen von mehreren Pferden oder Bildern mit Reiter ist der Effekt z.T. störend.

Wer sich mit der richtigen Blendenzahl besser vertraut machen möchte, dem kann ich nur empfehlen verschiedene Einstellungen einmal am “Modell” auszuprobieren.

Nachfolgend ein Bild, das extra durch besonders viele ablenkende Details “besticht”. Sowohl der Mosaik-Tisch als auch die gelben strahlenden Blüten des Mädchenauges lenken den Blick vom Wesentlichen ab.

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 22

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 22

Wenn man die Blendenzahl nun etwas verkleinert, dann sollten die Details von Tisch und Hintergrund etwas unschärfer werden und dem Betrachter so auch weniger “ins Auge springen”.

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 10

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 10

Auf dem folgenden Bild wird die Blendenzahl noch weiter herabgesetzt – hier sieht man den Effekt noch deutlicher. Viele Kit-Objektive zu digitalen Spiegelreflexkameras kommen mit einer minimalen Blendenzahl in dieser Größe daher.

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 5

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 5.6

Auf dem letzten Bild dieser Serie ist eine Aufnahme mit einer sehr kleinen Blendenzahl (1.8) zu sehen. Leider sind Objektive mit dieser Lichtstärke sehr teuer, vor allem dann, wenn man zusätzlich Wert auf einen großen Zoombereich und entsprechende Schärfewerte legt. Eine preiswertere Alternative stellen Objektive mit einer festen Brennweite dar, die allerdings etwas unflexibler sind was den Abstand zum Pferd anbelangt – Stichwort Turnschuhzoom.

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 1.8

Pferdemodell auf Mosaiktisch - Blende 1.8

Hier noch ein weiteres Beispiel einer Aufnahme mit verschiedenen Blendenzahlen. Man beachte auch, dass das Pferd auf dem Foto mit verschwommenem Hintergrund deutlich größer aussieht. Auch hier ist deutlich zu erkennen, wie schön das Pferd auch im übertragenen Sinne “in den Vordergrund” geholt wird.

Pferdemodelle auf dem Boden - links: Blende 16, rechts Blende 1.8

Pferdemodelle auf dem Boden - links: Blende 16, rechts Blende 1.8

Natürlich eignen sich zum Ausprobieren auch alle anderen Gegenstände. Besonders gut zu sehen ist der Effekt, wenn man nicht nur ein Objekt im Vordergund und einen ebenen Hintergrund hat, sondern wenn viele verschiedene Tiefen das Motiv bestimmen. So lassen sich auch sehr gut Zäune im spitzen Winkel oder Buchseiten von der Seite fotografieren. Probieren Sie es einfach aus, Sie können danach sicher (noch) häufiger zur “richtigen” Blende greifen!

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