Starke Hinterhand – alles eine Frage der Blickrichtung

Heute möchte ich ein gutes Beispiel dafür zeigen, wie deutlich sich die Proportionen eines Pferdes in Abhängigkeit vom Betrachtungswinkel verändern. Auf den folgenden Bildern ist ein 3-jähriger Quarter-Wallach abgebildet, der zum Verkauf steht. Auch wenn das hier keine Beachtung gefunden hat: in Hinblick auf rassespezifische Fotografie wird gerade bei Quarter Horses gern die Hinterhand in den Vordergrund gestellt. Sie sollte gut bemuskelt sein mit schräg abfallender Kruppe und niedrig angesetztem Schweif.

Auf dem nachfolgenden Bild sieht man das sehr schön, allerdings wirkt der junge Wallach etwas “fehlproportioniert”.

Junger Quarter-Horse-Wallach mit deutlicher Betonung der Hinterhand

Junger Quarter-Horse-Wallach mit deutlicher Betonung der Hinterhand

Wirft man einen Blick auf die Hufe des Pferdes, so stellt man schnell fest, dass er mit der Hinterhand etwas näher an der Kamera steht, d.h. man schaut nicht direkt von der Seite sondern leicht von hinten auf das Pferd. Stellt man sich nun etwas weiter nach vorn, so wirkt die eben noch mächtige Hinterhand deutlich kleiner:

3-jähriger Quarter-Wallach beim Grasen - die Hinterhand wirkt deutlich kleiner

3-jähriger Quarter-Wallach beim Grasen - die Hinterhand wirkt deutlich kleiner

Auch hier kann man die Schrägstellung leicht an der nicht zum Bildrand parallelen Linie “durch” die Hufe erkennen. Bei senkrecht zum Pferd ausgerichteter Kameraposition sieht der Wallach wieder etwas anders aus.

Junger Wallach beim Grasen, diesmal in "richtiger" Ausrichtung

Junger Wallach beim Grasen, diesmal in "richtiger" Ausrichtung

Die Ausrichtung stimmt hier zwar (nahezu), allerdings springt bei diesem Bild noch etwas anderes ins Auge: der Wallach wirkt stark überbaut, d.h. die Kruppe ist deutlich höher als der Widerrist. Das liegt weniger am Pferd, denn an der ungünstigen Minute, in der dieses Foto entstanden ist: zum einen stehen die Vorderbeine weiter auseinander durch den “Ausfallschritt” vorne links. Und zum anderen steht das Pferd auf diesem Wiesenstreifen etwas abschüssig. Beides kombiniert sorgt für ein ebenso “unproportioniertes” Pferd wie die schräge Kameraposition.

Vielleicht ist Ihnen beim Betrachten auch noch etwas anderes aufgefallen? Betrachten Sie den Hals des Wallachs auf dem ersten und dem letzten Bild. Auf dem einzigen Bild mit angehobenem Kopf wirkt der Hals deutlich kompakter als auf den anderen. Daher empfiehlt es sich bei Aufnahmen von der Seite folgendes zu beachten:

  • wirklich genau von der Seite fotografieren, sonst werden Vor- oder Hinterhand deutlicher betont
  • nicht auf abschüssigem Boden fotografieren, sollte sich das nicht vermeiden lassen: lassen Sie das Pferd “aufwärts” stehen statt “abwärts”
  • das Pferd sollte nicht mit einem Beinpaar weiter auseinanderstehen, das verändert die Rückenlinie z.T. deutlich

Leider ist bei diesem Fototermin kein “perfektes” Bild entstanden, wenn man bedenkt, dass das Pferd verkauft werden und sich dem potentiellen Käuferkreis möglichst positiv präsentieren sollte. Weitere Tipps an den Fotografen: der grüne Hintergrund des zweiten Bildes wirkt deutlich harmonischer als die Mischung aus Zufahrtweg, Haus und Zaun der anderen. Und: das Pferd nicht aus dem Stand fotografieren sondern aus der Hocke – dazu aber in einem anderen Artikel mehr. Wirklich gut gelungen ist bei diesen Bildern die Ausrichtung der Sonne (so dass die Muskeln etwas hervorkommen) und die Ausnutzung der schon etwas tiefer stehenden und wärmeren Nachmittagssonne.

Herzlich Willkommen!

Auf unseren Seiten finden Sie viele Tipps und Anregungen, um selbst schöne Fotos von (und mit) Pferden zu machen. Von der Aufnahme bis zur Nachbearbeitung haben wir unsere Erfahrungen hier zusammengetragen und freuen uns, wenn Sie mitkommen auf einen kleinen Ausflug in die digitale Welt.