Eingefroren – was eine kurze Belichtungszeit bewirkt

Bewegungsaufnahmen gehören zur “hohen Schule” der Pferdefotografie und jeder, der es einmal selbst ausprobiert, wird feststellen, dass man auf dem Weg zum idealen Foto einiges beachten muss. Vor allem wenn man schnelle Bewegungen einfangen möchte, kommt es nicht nur auf das richtige Timing für die schönste Galoppphase an, sondern auch auf die technischen Möglichkeiten der eigenen Kamera.

Jedes Bild entsteht dadurch, dass ein Film bzw. ein digitaler Bildsensor für einen gewissen Zeitraum belichtet wird, d.h. dass das Licht auf die Bildebene fällt. Diese Zeit lässt sich einstellen und ist abhängig von der eingestellten Blende und den Lichtverhältnissen. Etwas vereinfacht kann man sagen:

  • je schlechter die Lichtverhältnisse sind, desto länger muss auch die Belichtungszeit sein
  • je kleiner die Blendenzahl ist, desto kürzer kann die Belichtungszeit sein

Möchte man schnelle Bewegungen auf einem Bild “einfrieren”, so braucht man eine (sehr) kurze Belichtungszeit. Das ist auch ganz anschaulich nachvollziehbar: so sind z.B. die Beine eines galoppierenden Pferdes nur für Sekundenbruchteile an genau einer Position. Bei sehr kurzer Belichtungszeit nimmt die Kamera auch nur genau diesen Moment auf. Je länger die Zeit wird, desto mehr dieser Momente werden in einem Bild “übereinandergelegt”. Das Ergebnis ist ein unscharfes Foto.

Um ein Gefühl für unterschiedliche Belichtungszeiten zu bekommen eignet sich das Fotografieren von Wasser (z.B. ein Springbrunnen, ein Wasserfall oder der Wasserhahn zuhause). Besonders vorteilhaft ist hierbei, dass Wasser als Motiv äußerst geduldig ist und man ausreichend Zeit hat die entsprechenden Einstellungen an der Kamera zu machen. Bei bewegten Motiven wie einem Pferd hat man diesen Vorteil nicht.

Verschiedene Verschlusszeiten am Beispiel eines Springbrunnens

Verschiedene Belichtungszeiten am Beispiel eines Springbrunnens

Die Zeiten sind in Sekunden angegeben, d.h. die längste Belichtungszeit hier liegt bei 1/2 s = 0.5 s, die kürzeste bei 1/1000 s = 0.001 s. Sehr gut kann man an diesem Beispiel sehen, wie die Wassertropfen an Details gewinnen je kürzer die Zeit wird. Auf (schnelle) Bewegungen in der Pferdefotografie bezogen heißt das:

  • je kürzer die Belichtungszeit, desto schärfer wird das Bild
  • je länger die Belichtungszeit, desto größer wird die Bewegungsunschärfe

Um eine kurze Belichtungszeit einstellen zu können braucht man:

  • (sehr) gute Lichtverhältnisse (z.B. einen schönen Sommertag) und
  • eine kleine Blendenzahl (d.h. eine große Blendenöffnung)

Für die ersten Bewegungsaufnahmen empfiehlt es sich, ein Pferd mit Reiter zu fotografieren. Das hat den Vorteil, dass vorher bereits bekannt ist wann und wo genau das Pferd vor der Linse sein wird. Das nachfolgende Foto wurde mit einer Belichtungszeit von 1/320 s (= 0,003 s) aufgenommen.

Galopprennen, aufgenommen mit einer Belichtungszeit von 1/320 s und Blendenzahl 9 (www.pixelio.de)

Galopprennen, aufgenommen mit einer Belichtungszeit von 1/320 s und Blendenzahl 9 (www.pixelio.de)

Aufgrund der sehr guten Lichtverhältnisse war es hier möglich eine mittlere Blendenzahl einzustellen. Beachten Sie aber, dass die Beine des Vollbluts trotz der Schärfe von Reiter und Pferd, unscharf sind. Mit einer noch kürzeren Belichtungszeit hätte das vermieden werden können. Ob das jedoch speziell dieses Bild verbessert hätte ist fraglich: eine gewisse Bewegungsunschärfe kann auch als Möglichkeit genutzt werden, dem Foto Dynamik zu verleihen.

Behalten Sie das Wissen um den Sinn einer kurzen Belichtungszeit im Hinterkopf, aber probieren Sie auch am Pferd unterschiedliche Einstellungen aus. Vielleicht wirkt es Ihnen ja auch zu künstlich – das “eingefrorene” Pferd?!

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