Glanzleistung? – Öl für schimmernde Nüstern

Arabershows kommen nicht ohne aus und auch bei immer mehr “privaten Shootings” darf es nicht fehlen: Öl für die Augen und die Nüstern. Der Grund für den Einsatz ist denkbar einfach: vor allem bei dunklen Pferden, Rappen und Braunen, aber auch helleren Füchse oder Falben mit dunklem Maul sind die feinen Linien des Kopfes aufgrund mangelnder Reflektion nicht zu erkennen. Vor allem im warmen Fotolicht am Morgen oder späten Nachmittag werden viele Details wie die genaue Kontur um den Mund und zarte Adern einfach “verschluckt” und sind kaum erkennbar. Das Öl sorgt dafür, dass sich das Licht darin spiegelt und auf dem Foto die filigranen Züge der edlen Tiere zum Ausdruck kommen.

Junger Araberhengst mit geölten Nüstern und Augenpartie ©iStockphoto.com/Wojciech Dudzicki

Junger Araberhengst mit geölten Nüstern und Augenpartie

Ein paar Mal schon habe ich beim Anblick dieser Bilder, die leider auch in (fast) keinem Pferdekalender fehlen dürfen, zweimal hingesehen, um mich zu vergewissern, dass ich tatsächlich ein Foto sehe und kein Ölgemälde. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich sehe häufig gar kein Pferd mehr. Zumindest keine aufgeweckte Seele, die sich natürlich freundlich und aufmerksam seiner Umwelt präsentiert.

Nun sind Veranstaltung wie die berühmten Arabershows, bei denen die Zucht und Präsentation der edlen Pferde im Vordergrund stehen das eine, das Portrait vom eigenen Vierbeiner etwas anderes. Zunehmend treffe ich im Internet auf Anbieter von Pferdefotos, die darauf hinweisen, dass “etwas Öl auf den Nüstern und über den Augen” die Ausstrahlung verbessert. Aber tut sie das wirklich? Was genau ist denn liebenswert am Pferd? Was genau möchte ich auf dem Foto sehen? In meinen Augen ist es die höchste Kunst auf einem Bild, dem Sekundenbruchteil eines langen Lebens, den Charakter eines Tieres abzubilden. Dabei kann man fraglos auf einem Foto nicht alle Facetten einer Pferdepersönlichkeit abbilden – aber vielleicht eine. Und auch wenn es dafür theoretisch unerheblich ist, ob ein Pferd eingeölt ist oder nicht: die natürliche Schönheit des Pferdes kann sich so vor dem Auge des Fotografen nicht gleichermaßen entfalten.

Im übrigen gilt das nicht nur für vierbeinige Fotomodelle. Friedrich Dürrenmatt hat es ebenso schön wie treffend formuliert:

Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie.

Araberwallach auf der Weide - auch ohne Nachhilfe eine Schönheit (©iStockphoto.com / Sharon Morris)

Araberwallach auf der Weide - auch ohne Nachhilfe eine Schönheit

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