Umgang mit dem Lasso? – Über das richtige Freistellen

Das Freistellen ist eine der wichtigsten Fertigkeiten, die man beim erfolgreichen Bearbeiten von Bildern beherrschen sollte. Dabei geht es nicht nur darum ein bestimmtes Motiv von seinem Hintergrund zu trennen. Vielmehr kann man durch eine Freistellung beispielsweise die Wiese hinter einem Pferd in Farbe, Kontrast oder Unschärfe verändern, während das Pferd selbst so bleibt wie es ist.

Unter Freistellen versteht man:

  • in der Nachbearbeitung: das „Ausschneiden“ eines bestimmten Bildteils (z.B. des Pferdes) mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms
  • beim Fotografieren: das Absetzen des Vordergrunds zum Hintergrund durch Unschärfe (siehe auch “Blendend vor unscharfem Hintergrund”) oder durch Farb- und Kontrastwahl (z.B. Rappe vor weißer Wand)

Nachfolgend soll mit Hilfe der Software Photoshop Elements* gezeigt werden, wie man ein Pferd freistellen kann. Im Anschluss ist es dann möglich dieses z.B. vor einem neuen Hintergrund zu platzieren oder den bestehenden zu verändern. Genauso ist es möglich nur am Pferd Farb-, Kontrast- oder Helligkeitsänderungen vorzunehmen, ohne dass sich der Hintergrund mit verändert.

Die wichtigsten Werkzeuge dafür sind die so genannten Lassos. Mit ihnen kann man Bildelemente ausschneiden, indem man an beliebiger Stelle beginnt und dann der gesamten Kontur folgt, die man freistellen möchte. Ein Doppelklick schließt den ausgewählten Bereich und die Auswahl wird mit blinkender Umrandung angezeigt. Es gibt drei verschiedene Lassos, wobei für uns nur zwei von Interesse sind:

lassos

    • Polygon-Lasso (ganz unten): wenn dieses Lasso ausgewählt ist, zieht man automatisch eine gerade Linie von dem Punkt, an dem man begonnen hat. Ein Mausklick setzt einen neuen Startpunkt für eine neue Linie. Je mehr Punkte (= Klicks) man entlang der Kontur macht, desto besser wird meist das Ergebnis.
    • Magnetisches Lasso (mitte): dieses Lasso „erkennt“ aufgrund der Kontrast- und Farbunterschiede automatisch seinen Weg, wenn man den Mauszeiger langsam (!) entlang einer bestehenden Kontur führt. Das funktioniert aber nur dann gut, wenn der Unterschied zwischen Objekt und Hintergrund groß genug ist. Bei einem braunen Pferd vor einem Koppelzaun aus Holz, wird das Lasso in diesen Bereichen Probleme haben zu erkennen, welcher braunen Kontur es nun folgen soll.

Die Auswahl des Lassos hängt also davon ab, wie der Hintergrund gestaltet ist und davon, wie genau die Auswahl sein soll. Es ist hilfreich das auszuschneidende Objekt ausreichend über das Navigationsfenster heranzuzoomen, um auch Details an der Kontur wahrzunehmen.

Wenn das freizustellende Objekt eine scharfe „Kante“ zu seiner Umgebung besitzt, dann kann man auch auf zwei weitere, einfachere Werkzeuge zurückgreifen:

zauber

    • Schnellauswahlwerkzeug (unten): hiermit klickt man in das auszuwählende Objekt und zieht die Maus nacheinander zu allen Kanten. Solange die Kontur eindeutig ist, erweitert sich automatisch der ausgewählte Bereich. Bevor man sich die Mühe macht alles mit einem Lasso auszuschneiden, sollte man das bei klaren Motiven ruhig ausprobieren!
    • Zauberstab (oben): der Zauberstab wählt automatisch alle Bildbereiche mit gleicher Farbe aus. Wenn also ein Fuchs auf einer Wiese vor blauem Himmel steht, dann kann man mit diesem Auswahlwerkzeug schnell das ganze Pferd markieren. Sobald jedoch andere Bildbereiche die gleiche Farbe haben, werden auch diese mitmarkiert. Ein Schimmel über einem Sprung mit weißen Stangen ist also eher ungünstig für den Zauberstab. Oben links in der Menüleiste lässt sich zusätzlich eine Toleranz einstellen, die es ermöglicht auch ähnliche Farben wie die ausgewählte zu markieren.

Nun gelingt es leider selten, gleich beim ersten Mal alles richtig freizustellen. Manchmal wurde versehentlich ein Stück vom Ohr abgeschnitten, ein anderes Mal wurde unfreiwillig zuviel ausgewählt. Beides lässt sich mit allen bereits vorgestellten Werkzeugen auch nachträglich noch korrigieren: dazu kann man entweder einen neuen Bereich markieren, der hinzugefügt (+) oder abgezogen (-) werden soll.

auswahlmodi

  • In der oberen Menüleiste links kann man auswählen, welcher Modus (normal, addieren oder abziehen) beim jeweiligen Werkzeug eingestellt werden soll.

Gut zu wissen ist hierbei: man muss nicht direkt an der bereits markierten Kontur ansetzen! Möchte man beispielsweise ein versehentlich abgeschnittenes Ohr wieder anfügen, so genügt es einen Bereich auszuwählen, der das Ohr enthält – er kann aber auch in das bereits markierte Pferd „hineinragen“. Es geht hier also um die Schnittmenge: was mehr ist als die Ursprungsmarkierung wird angefügt oder (je nach Modus) abgeschnitten.

Ein weiterer Tipp: auch wenn ein Objekt bereits markiert ist, kann man die Werkzeuge wechseln. D.h. man kann problemlos vom magnetischen Lasso auf ein Polygonlasso wechseln, ohne die Markierung zu verlieren.

Im nachfolgenden Bild soll der Reitpony-Wallach für die weitere Bearbeitung freigestellt werden.

11-jähriger Reitpony-Wallach auf der Koppel

11-jähriger Reitpony-Wallach auf der Koppel

Da er sich ohnehin bereits durch die Wahl von Blende und Brennweite (5.6 / 250 mm) vom Hintergrund durch eine deutliche Kontur abhebt, wurde das Schnellauswahlwerkzeug gewählt. Danach sieht die Auswahl so aus:

Ausgewählte Markierung mit Hilfe des Schnellauswahlwerkzeuges

Ausgewählte Markierung mit Hilfe des Schnellauswahlwerkzeuges

Auf den ersten Blick sieht die Auswahl schon sehr gut aus, bei näherer Betrachtung fallen jedoch einige Schwachstellen auf: im Bereich der Ohren wurde etwas großzügig markiert, beim Auge hingegen fehlen die Wimpern, was man beim fertigen Bild schnell auffällt.

Im Bereich der Ohren ist die Auswahl nicht ganz detailgetreu, daher sollte hier nachgearbeitet werden!

Im Bereich der Ohren ist die Auswahl nicht ganz detailgetreu, daher sollte hier nachgearbeitet werden!

Daher wurde nun zum Polygon-Lasso gewechselt. Im ersten Schritt wurden die Bereiche um die Ohren von der Auswahl entfernt, im zweiten die fehlenden Wimpern zugefügt. Tipp: Das Zwischenspeichern (durch Drücken von Strg. + s) nicht vergessen! Nichts ist ärgerlicher als die bereits mühevoll erstellte Markierung durch einen unwiderruflichen Fehler oder ein Softwareproblem zu verlieren.

Anschließend wurde die Markierung in eine neue Ebene kopiert und mit einem Hintergrund versehen. Das Ergebnis sieht dann folgendermaßen aus:

Freigestelltes Pferd vor neuem Hintergrund

Freigestelltes Pferd vor neuem Hintergrund

Hier fällt auf, dass die Auswahl noch nicht ganz perfekt ist: für eine Freistellung sind die Kanten zu “pixelig”, die Mähne wurde recht “hart” abgeschnitten und die Tasthaare am Maul fehlen komplett. Nun kommt es natürlich auf den Anwendungszweck an: hat man die Auswahl nur getätigt, um jetzt z.B. die Farbe des Fuchses zu verbessern oder den Hintergrund noch stärker verschwimmen zu lassen, reicht das so völlig aus. Möchte man aber eine Collage vor schwarzem Hintergrund erstellen, dann reicht diese Auswahl nicht. Wie die Detailarbeit an scharfen Kanten und Mähne aussieht, erfahren Sie im nächsten Beitrag…

* Wenn Sie mehr zu den verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen wissen möchten, dann folgen Sie diesem Link: Feinschliff – Die wichtigsten Programme zur Bildbearbeitung

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